
Zwei Varianten für die Bücherstube, zwei sehr unterschiedliche Kostenrechnungen und keine Gelegenheit, im Ausschuss mit der Caritas darüber zu sprechen. Die SPD-Fraktion hat deshalb jetzt selbst nachgefragt.
Die Bücherstube Lohberg ist für viele Menschen im Stadtteil ein wichtiger Ort. Entsprechend groß ist das Interesse daran, wie es mit ihr weitergeht. In der Ratsvorlage 237/2026 hat die Verwaltung zwei realisierbare Varianten identifiziert. Die Bücherstube könnte in eigenen Räumlichkeiten weitergeführt werden, nämlich in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Johannesschule Lohberg. Sie könnte aber auch in die Caritas-OT umziehen.
Finanziell liegen zwischen den beiden Varianten Welten. Für die Fortführung in eigenen Räumlichkeiten veranschlagt die Verwaltung 12.000 Euro für Personal. Für die Variante in der Caritas-OT kalkuliert sie 95.000 Euro Personalkosten, also fast das Achtfache. Laut Vorlage beruht diese Berechnung auf einem Erörterungsgespräch mit der Caritas.
Gerade wegen dieses großen Unterschieds haben die SPD-Mitglieder im Kultur-, Partnerschafts- und Europaausschuss (KPE) angeregt, eine Vertreterin oder einen Vertreter der Caritas zur Sitzung am 8. September einzuladen. So hätten die zugrunde liegenden Annahmen und die konkreten Rahmenbedingungen direkt geklärt werden können.
Der Ausschussvorsitzende hat diese Einladung verweigert. Die SPD hatte außerdem beantragt, die Entscheidung in den Hauptausschuss zu verschieben. In der Zwischenzeit hätten die fehlenden Informationen eingeholt und allen Ausschussmitgliedern zur Verfügung gestellt werden können. Auch dafür gab es keine Mehrheit. Die offenen Fragen zu den Kostenansätzen blieben in der Sitzung damit unbeantwortet.
„Wenn zwei realisierbare Varianten mit derart unterschiedlichen finanziellen Auswirkungen zur Entscheidung stehen, müssen die Grundlagen transparent und nachvollziehbar sein“, sagt Annette Berger, jugendpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Eine fundierte Entscheidung ist aber nicht möglich, wenn ein direkter Austausch mit dem möglichen Träger verhindert wird.“
Die Mitglieder der SPD-Fraktion haben sich deshalb mit einem Schreiben direkt an Caritasdirektor Michael van Meerbeck gewandt. Sie wollen zunächst wissen, ob die Darstellung in der Vorlage mit dem übereinstimmt, was die Caritas im Erörterungsgespräch eingebracht hat. Falls nicht, soll der Verband mitteilen, welche Kosten er selbst für realistisch hält. Außerdem fragt die SPD, wie die Caritas die Bücherstube mit dem Stadtteil und anderen Angeboten vernetzen würde. Weitere Fragen betreffen den barrierefreien Zugang zu den Räumen und die Einbindung von Ehrenamtlichen.
Sobald die Antworten vorliegen, will die SPD-Fraktion sie in die weiteren Beratungen einbringen. Ihr Ziel bleibt ein gutes Angebot für Lohberg, das für alle erreichbar und im Stadtteil fest verankert ist, und keine Bücherstube light.