„Zum üblichen Ausbildungsstart im September waren NRW-weit noch 27.700 Stellen unbesetzt.“ Im Vergleich zum Vorkrisenniveau seien knapp 11 Prozent aller angebotenen Ausbildungsstellen weggefallen, und die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber sei sogar um 16,3 Prozent gesunken, so Buchmann.
Die SPD möchte darüber hinaus die Einrichtung eines lokalen Ausbildungsfonds prüfen lassen. Ein besonderes Augenmerk soll darauf liegen, allen ausbildungsgeeigneten und -willigen Jugendlichen ohne betriebliche oder anderweitige Versorgung ein Angebot manchen zu könnnen. Außerdem soll mit Netzwerkpartnern ein Sofortprogramm entwickelt werden, welches die jungen Menschen mit verstärkten Beratungsanstrengungen für die qualifizierte Berufsausbildung erreicht. Hier sollen die Arbeitsagentur, das Jobcenter, gewerkschaftliche Strukturen, Arbeitgeberverbände, Kammern, Ausbildungsträger, die Schülerpersonalagentur des DKSB, die Bezirksschüler:innen-Vertretung, Elternräte und Schulen einbezogen werden. „Das Sofortprogramm sollte mit kreativer Öffentlichkeitsarbeit beworben werden“, beschreibt die SPD ihre Idee. „Ziel ist es, jungen Menschen Hoffnung zu machen, dass sich die Bewerbung für eine duale Berufsausbildung trotz der Corona-Auswirkungen lohnt. Viele Ideen gibt es bereits quer durch NRW – von „Walk & Talk“-Meetings über „Drive-In“-Ausbildungsmessen und mehr.“ In das Programm sollen aufsuchende Maßnahmen für junge Menschen integriert werden, die bisher nicht erreicht werden konnten.
Mit den Netzwerkpartnern soll zudem das Gremium „Garantiert Zukunft: der Dinslakener Ausbildungspakt“ ins Leben gerufen werden. Hier solle über den Ausbildungsbericht, wichtige Einflussfaktoren und Problemfelder beraten werden, von denen die Besetzung der Ausbildungsstellen abhängt. Weiterhin sollen Vorschläge erarbeitet und abgestimmt werden, die die Ausbildungssituation verbessern. Dazu gehören die Unterstützung der Berufsorientierung an den Schulen, ein Best-Practice-Austausch der Kooperation zwischen Betrieben und Schulen, die Ausstattung der Ausbildungswerkstätten, die Hinwirkung auf höhere Tarifbindung und mehr Mitbestimmung sowie Investitionen in Berufsschulen.
„Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Ausbildungskrise sich in eine Fachkräftekrise auswachsen wird“, befürchtet Jürgen Buchwald. „Viele Betriebe können heute schon nicht mehr ihren Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitnehmer:innen decken, was sich auch auf ihre Möglichkeit der Annahme von Aufträgen auswirkt.“ Insbesondere auf das Handwerk und auf die Industrie komme es aber bei vielen gesamtgesellschaftlichen Aufgaben an, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Kein Windrad baut sich von alleine, kein Haus kann durch politische Beschlüsse energetisch saniert werden. Die Energie- und Wärmewende, und die klimaneutrale Transformation der Industrie werden zwar in Konferenzräumen erdacht, aber von Fachkräften gemacht. Für Dinslaken bedeutet das: wir brauchen ein gemeinsames Signal, eine gemeinsame Anstrengung, um unseren jungen Bürger:innen und den ansässigen Betrieben eine gute Perspektive zu bieten.“